Johann Sebastian Bach (1685–1750)

Himmelskönig sei willkommen BWV 182
Kantate zum Sonntag Palmarum und zum Fest Mariae Verkündigung
für Soli (ATB), Chor, Blockflöte, Oboe, Streicher (geteilte Va) und Continuo

Offenbar bereits in  W E I M A R  hat Bach die Kantate mehrfach aufgeführt. Die Besetzung dort war kammermusikalisch: das Orchester umfaßte zunächst Blockflöte, Violine, geteilte Violen, Violoncello und Continuo. Das Violoncello spielte nach alter Tradition die Baßstimme des Streicherensembles und pausierte ebenfalls, wenn die übrigen Streicher schwiegen. Bei späterer Gelegenheit hat Bach noch eine Ripienvioline hinzugefügt und dafür im Eingangssatz eine neue Stimme hinzukomponiert. Auch wurde die instrumentale Oberstimme der Baßarie weiter ausgefeilt.

Einer Wiedergabe der Weimarer Fassungen steht die Stimmtonproblematik im Wege: Während Streicher und Singstimmen in G-Dur im Chorton notiert sind, steht die Blockflötenstimme original im tiefen Kammerton in B-Dur. Tatsächlich wäre es am elegantesten, könnte man die originalen Stimmtonverhältnisse übernehmen und die Streicher in 466 Hz einstimmen lassen, während eine Altflöte im tiefen (»französischen«) Kammerton von 392 Hz zum Einsatz kommt. Tatsächlich lassen sich diese Stimmtonverhältnisse sogar dann realisieren, wenn die Streicher nach Leipziger Tradition im Kammerton 415 Hz spielen. Dann muß die F-Altföte entweder durch eine 415er D-Voiceflute oder eine 466er C-Tenorflöte ersetzt werden. Es soll jedoch nicht verschwiegen werden, daß die originale Stimme die Altblockflöte bis zur Obergrenze, zum dreigestichenen a, hinaufführt.

Es spräche eigentlich nichts dagegen, auch die Streicher im Kammerton einstimmen zu lassen und insgesamt in B-Dur zu musizieren. Bei einem Stimmton von 392 Hz wäre man damit etwa in der ursprünglichen Lage. Bei 415 Hz hingegen ist man etwa einen Halbtön höher, was für einige Sänger bereits ein Problem darstellen könnte.

Da die originale Blockflötenstimme den Ambitus der Altflöte nach unten nicht voll ausnutzt, könnte man auch im Kammerton von 415 Hz auf die ungefähre Originaltonhöhe zurückgreifen und insgesamt in A-Dur musizieren. Die Flötenstimme ist damit zwar grundsätzlich spielbar, liegt aber tonartlich außerordentlich ungünstig für dieses Instrument.

Auch in  L E I P Z I G  hat Bach die Kantate offenbar mehrfach aufgeführt. Dabei ergaben sich einige Änderungen: zunächst wurde die Haupttonart G-Dur beibehalten. Der Übergang vom Weimarer Chorton zum Kammerton führt dazu, daß die Kantate nunmehr ungefähr einen Ganzton tiefer erklang. Da die Solostimme der Flöte in der Altarie jedoch nun häufig die Grenze der Altblockflöte unterschritt, wurde die Stimme vielfach geändert. Diese Änderungen sind auffällig, zumal sie in der Altarie die Kadenzbildung des Eingangs- und Schlußritornells und die Parallelstellen betreffen.

Da Bach auf seine Partitur zurückgriff, wurden die Weimarer Verbesserungen und Ergänzugen nun verworfen. Die solistischen Streicher der Erstfassung wurden chorisch besetzt, bei einer weiteren Aufführung wurden die Violinen auch geteilt, jedoch anders als in Weimar: Die ersten Violinen spielten nun die Stimme der Blockflöte mit, die zweiten übernahmen den ursprünglichen Violinpart und wurden mit einer Oboe verstärkt. In die neue Violoncellostimme wurden Teile der Continuostimme eingearbeitet, wo bisher das Cello schweigen sollte. Später wurde auch noch eine gleichlautende Violonestimme geschrieben.

BESTELLNUMMERAUSGABEPREIS (€)
mvmc-5355-ChPChorpartitur2,80
Weimarer Fassung in B-Dur (tiefer Kammerton - original für Flöte):
mvmc-5355-FlEinzelstimme(n) Blockflöte3,60
Weimarer Fassung in A-Dur (Kammerton):
mvmc-5355-FlAEinzelstimme(n) Blockflöte3,60
mvmc-5355-V_AEinzelstimme(n) Violino, Violino ripieno3,60
mvmc-5355-Va1AEinzelstimme(n) Viola 13,00
mvmc-5355-Va1vAEinzelstimme(n) Viola 1 [Violinschlüssel]3,00
mvmc-5355-Va2AEinzelstimme(n) Viola 23,00
mvmc-5355-VcAEinzelstimme(n) Violoncello3,60
mvmc-5355-BcAEinzelstimme(n) Continuo3,60
Weimarer Fassung in G-Dur (Chorton - original):
mvmc-5355-V_GEinzelstimme(n) Violino, Violino ripieno3,60
mvmc-5355-Va1GEinzelstimme(n) Viola 13,00
mvmc-5355-Va1vGEinzelstimme(n) Viola 1 [Violinschlüssel]3,00
mvmc-5355-Va2GEinzelstimme(n) Viola 23,00
mvmc-5355-VcGEinzelstimme(n) Violoncello3,60
mvmc-5355-BcGEinzelstimme(n) Continuo3,60
Leipziger Fassung in G-Dur (Kammerton - original):
mvmc-5355-V1Einzelstimme(n) Blockflöte, Violino 13,20
mvmc-5355-V2Einzelstimme(n) Oboe, Violino 23,20
mvmc-5355-Va1Einzelstimme(n) Viola 13,00
mvmc-5355-Va1vEinzelstimme(n) Viola 1 [Violinschlüssel]3,00
mvmc-5355-Va2Einzelstimme(n) Viola 23,00
mvmc-5355-VcEinzelstimme(n) Violoncello, Violone3,60
mvmc-5355-BcEinzelstimme(n) Continuo3,60
Leipziger Fassung in F-Dur (Chorton - original für Orgel):
mvmc-5355-V1FEinzelstimme(n) Blockflöte, Violino 13,20
mvmc-5355-V2FEinzelstimme(n) Oboe, Violino 23,20
mvmc-5355-Va1FEinzelstimme(n) Viola 13,00
mvmc-5355-Va1vFEinzelstimme(n) Viola 1 [Violinschlüssel]3,00
mvmc-5355-Va2FEinzelstimme(n) Viola 23,00
mvmc-5355-VcFEinzelstimme(n) Violoncello, Violone3,60
mvmc-5355-BcFEinzelstimme(n) Continuo3,60

mvmc

18.08.2017 10:55